Döntjes aus Prahlsdorf

In der „Roten Republik“ Prahlsdorf lebte ein lustiges Völkchen. Walter Sanmann gibt einige Anekdoten zum Besten: 

In Prahlsdorf gab es einen Kolonialwarenhändler, wir nannten ihn Hein Grien, weil er immer so griente. Zu kaufen gab es alles: von Petroleum über Lebensmittel, Holzpantoffeln, bis hin zu Schaufeln, Harken und Spaten. Seine Frau war mehr als sauber und war nur am Putzen, in der Wohnung sowie im Laden. Geizig waren beide wie kein anderer.

Sie verkauften auch noch nach Ladenschluss. Im Winter war es ja schon früh dunkel. Da klopften wir Kinder mal ans Küchenfenster. „Was wollt ihr?“ „Wir möchten 1 Pfund Salz, Frau Kröger!“ Sie ging das Salz holen. Unterdessen warfen wir Jungen schnell alle eine Hand voll Sand in die Wohnung. Dann aber war was los! Alle Stühle und der Tisch wurden rausgeworfen und gründlich sauber gemacht. Armer Hein Grien, denn er hatte nichts zu lachen!

Es gab in Prahlsdorf auch einen Schuhmacher namens Robert Zeuner, der arbeitete bis spät in die Nacht hinein. Uns Kindern tat er immer Leid und wir sagten, der arbeitet sich noch mal tot. Dagegen müssen wir etwas tun!

Gesagt, getan! Bei Hein Grien wurde ein leerer Marmeladeneimer geholt. Zu der Zeit hatten wir noch als Stromzuführung eine Oberleitung mit 2 Drähten zum Haus. Die Hauptsicherung war noch draußen oben am Mast. Nun wurde der Eimer fertig gemacht. Der Henkel wurde auf einer Seite ausgehakt, dann wurde der mit Schwung über die Leitung geworfen, denn meistens blieb der Bügel an dem einen Draht hängen, und der Eimer berührte den zweiten Draht. Somit hatten wir Kinder einen Kurzschluss hergestellt und Robert seine verdiente Ruhe.

Auch gab es in Prahlsdorf einen Kartenklub „Schosterbock“. Der bestand aus vier Selbstständigen: das waren der Schuster Zeuner, der Zimmermann Fritz Sanmann, der Käsehändler Kröger und der Kunstmaler Schütt. Jeden Freitag wurden Karten gekloppt. Fritz musste außerdem jeden Freitag eine wahre Geschichte aus Reinbek vorlesen. Eines Freitags wusste Fritz keine Geschichte zu erzählen, also musste er sich etwas anderes einfallen lassen.

Schuster Zeuners Grundstück grenzte an das Grundstück von Fritz, und der Schuster hatte an der Grenze seinen Misthaufen. Da hatte Fritz einen Einfall: Er steckte den Misthaufen an, lief auf die Straße, dann in die Schusterstube und rief: „ Feuer, Feuer! Robert, bei dir brennt es hinten im Garten!“

Der Schuster war auch der Feuermelder. Der Alarm wurde zu der Zeit noch mit einem Feuerhorn geblasen. Zeuner musste in Prahlsdorf die Kampstraße, den Prahlsdorfer Weg sowie die Schützenstraße ablaufen, denn er musste ja allen Feuerwehrleuten Bescheid geben. Als die Feuerwehr dann ankam, stand der Schuhmacher ganz schön dumm da, als sie sahen, dass nur der Misthaufen brannte. Ganz Prahlsdorf und auch der Kartenklub Schosterbock haben sich köstlich amüsiert!“

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