Die „Evangelische Frauenhilfe“ (1 / 3)

Dieser Bericht unbekannter Herkunft wurde aus dem Handschriftlichen übertragen. Er befand sich in einem Briefumschlag der Bibelschule Brake, abgestempelt am 29.1.1981 und adressiert an ein Mitglied der evangelischen Frauenhilfe. Die unbekannte Verfasserin berichtet darin aus der Geschichte der „Evangelischen Frauenhilfe“ Reinbek.

Frau Gleisner, die Gründern der Evangelischen Frauenhilfe
Frau Gleisner, die Gründern der Evangelischen Frauenhilfe

Die ‘Evangelische Frauenhilfe’ wurde 1924 gegründet. Sie ging aus dem ‘Vaterländischen Frauenverein’ hervor, der von Frau Pastor Fries geleitet wurde. Die Leitung der Frauenhilfe übernahm damals, meiner Erinnerung nach, Frau Gleisner aus Wentorf, in deren Räumen auch die Feste gefeiert wurden.

1931 übernahm die Leitung Frau Schwarz geb. Ertel, Bahnsenallee 2. Die regelmäßigen Zusammenkünfte fanden jeden 2. und 4. Dienstag im Monat abends in der Bismarckstraße im Schwesterheim statt. Das Jahresfest mit Tombola und die Adventsfeier fanden ab 1931 in der Bahnsenallee 2 bei Frau Schwarz statt, wo alles festlich geschmückt war in den großen herrlichen Räumen. Alle Frauenhilfsschwestern genossen diese Feste sehr mit dem herrlichen Blick auf den Mühlenteich, der im Sommer wie im Winter bezaubernd ist. Bei der Adventsfeier wurde, wie auch heute noch, der Beitrag kassiert, der das ganze Jahr 2 Reichsmark betrug.

Dann kamen verschiedene Mitglieder jeden 1. und 3. Montagabend in die Kellerküche Bahnsenallee, wo es ungemütlich war. Das war der so genannte Montagskreis. Dort wurde für die Seemannsmission gestrickt — zu Weihnachten. Es entstanden Strümpfe, Schals, Kopfschützer, Pulswärmer, Handschuhe usw. Außerdem wurde der Armen gedacht und für kinderreiche Familien genäht. Bei der Anprobe wurden den Kindern die Augen verbunden. Natürlich blinzelten sie etwas durch und bekamen doch etwas mit, aber es machte uns allen viel Spaß. Prahlsdorf war unser Bezirk, besonders die Schützenstraße und die Kampstraße. Nach Weihnachten wurden dann Decken gestickt und gehäkelt, auch Kissen und andere nette Sachen für die Tombola hergestellt. Das Material wurde aus der Kasse bezahlt, aber auch von netten Damen gestiftet. Bei den Handarbeiten wurde tüchtig gesungen oder Geschichten vorgelesen. Fräulein Koops, die Hausdame von Frau Schwarz, die über 50 Jahre in der Familie Ertel gewirkt hat, versorgte uns dann mit Saft, Keksen und anderen kleinen Leckereien. Es ging immer recht lustig zu in unserem fröhlichen Kreis und der lange Heimweg störte uns gar nicht.

1928 hatte Frau Vogelsandt die Nähstube ins Leben gerufen. Wir kamen jeden Freitagabend im Schwesternheim zusammen in der Bismarckstraße. Dort wurden Kleider, Hosen, Mäntel, Wäsche usw. von den Frauen und Müttern zugeschnitten und eingerichtet und die nötige Hilfestellung geleistet.

Gertrud Schwarz (links) und Martha Begemann (rechts)
Gertrud Schwarz (links) und Martha Begemann (rechts)

Damals, wohl 70 Jahre alt, erkrankte Frau Vogelsandt 1932. Um auszuhelfen kam dann Frau Begemann dazu. Als Frau Vogelsandt wieder gesund war, wollte Frau Begemann wieder ausscheiden. Aber die Frauen und Frau Vogelsandt baten Frau Begemann eindringlich, doch weiterzumachen, was natürlich auch geschah.

Wir waren alle bei der Arbeit sehr vergnügt, aber oft wurde auch das Herz ausgeschüttet und wir teilten die Sorgen und halfen mit Rat und Tat, so gut wir konnten. Es war ja Notzeit, Krieg und Nachkriegszeit.“

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