Klein, aber mein: Unser Feld

Eine Reinbekerin erzählt von Not und Hunger nach dem Zweiten Weltkrieg. Abhilfe konnte der Aufbau einer kleinen, eigenen Landwirtschaft schaffen. Doch auch das brachte Probleme und viel Arbeit mit sich. Gisela Hackbarth hat mitgeschrieben:

Im Jahre 1946 kamen wir als Flüchtlinge nach Reinbek. Bei einer ortsansässigen Familie wurde uns ein Zimmer zugeteilt. Das war wenig für vier Personen, aber wir waren froh. Nicht nur Wohnraum war knapp, sondern es fehlte auch an Geld und Lebensmitteln. Und wie viele andere damals litten wir an Hunger. Wir brauchten also dringend ein Stück Land, um uns selbst versorgen zu können.

Im Reinbeker Stadtgebiet gab es noch etliche Felder und Wiesen. Unser Vater, der etwas von Landwirtschaft verstand, pachtete ein Feld, lieh sich vom Schäfer Stockhusen ein Pferd, einen Pflug und eine Egge und bereitete den Acker vor. Dann half die ganze Familie, um Spatenstich für Spatenstich die Erde auszuheben und Kartoffeln in die Löcher zu legen. Ein kleiner Teil des Feldes wurde mit Tabakpflanzen besetzt.

Die Kartoffeln wuchsen gut. Wir häufelten sie an, wozu wir Tage brauchten und warteten darauf, uns endlich an Kartoffeln satt essen zu können. Aber noch bevor sie reif waren, kamen nachts andere, die auch hungrig waren und nahmen sich von unseren Kartoffeln.

Das konnte nicht so weitergehen. Also baute sich unser Vater einen kleinen Unterstand auf dem Feld und wachte dort jede Nacht. Im Spätsommer konnten wir endlich die ersten Kartoffeln essen. Sie schmeckten herrlich und wir wurden satt. Wir ernteten viele Sack Kartoffeln, mehr als wir für uns brauchten. Die überschüssigen Zentner konnten wir gegen Zucker, Öl und Milch eintauschen.

Auch die Tabakpflanzen waren gut gediehen. Die Blätter hingen tagelang auf Fäden aufgezogen in unserem Zimmer zum Trocknen. Unser Vater verarbeitete die getrockneten Blätter zu Tabak, den er auch wieder gegen wichtige Lebensmittel eintauschen konnte. So überlebten wir die ersten zwei Jahre in Reinbek.“