Die Geschichte der Berge und Täler Reinbeks

Die Geschichte Reinbeks hängt auch in geologischer Hinsicht eng mit der Bille zusammen. Wie die Reinbeker Landschaft wurde, was sie ist, berichtet Eckart Bünning. 

Die Reinbeker „Berge” und „Täler“ geben unserer Landschaft einen besonderen Reiz, auch wenn sie nicht aus Fels und Stein bestehen. Das felsige Grundgebirge liegt in einigen Kilometern Tiefe. Es ist durch Ablagerungen vieler Erdzeitalter überdeckt. Die Gestaltung unserer Täler und Höhenzüge ist das Werk von Eis, Wasser und Wind.

Vor knapp 2 Millionen Jahren bildeten sich auf dem hohen Gebirge Skandinaviens mächtige Gletscher, die sich zeitweise bis in das Gebiet der Lüneburger Heide ausdehnten. Die überfahrenen Gebirge wurden vom Eis förmlich abgehobelt, die Felsbrocken wurden zu Geröll und Kies zerrieben und vom Eis aufgenommen. Mit dem Abschmelzen luden die Gletscher ihre Fracht ab und hinterließen mächtige Kies- und Sandlager sowie riesige Findlinge. Die Kieslager zwischen Glinde, Stemwarde und Ohe haben hierin ihren Ursprung. In den Wänden der Kiesgruben zeigen sich deutlich Schichtungen unterschiedlicher Korngrößen, die durch strömendes Wasser gebildet wurden. Bizarre Formen dazwischen entstanden durch gefrorene Kiesbrocken, die mit dem Wasser transportiert wurden und im Flussschotter liegen blieben. Im oberen Bereich der Kieswände finden sich durch oberflächliches Auftauen des tief gefrorenen Bodens interessante Formen. Das Eis hinterließ eine hügelige Moränenlandschaft, in der sich als Schmelzwasserrinne der spätere Verlauf des Billetales wohl schon abzeichnete.

Der letzte Eisvorstoß, die Weichselvereisung, erreichte unser Gebiet nicht. Ihre Endmoränen liegen im Raum Rahlstedt, Stapelfeld, Siek. Vor 12000 bis 14000 Jahren wurde es wieder wärmer, die Gletscher begannen zu tauen. Das Wasser suchte einen Abfluss und durchbrach den Moränenwall an mehreren Stellen. Markant ist der Durchbruch bei Rausdorf, durch den die Corbek das Schmelzwasser zur Bille führte. Die Straße von Rausdorf nach Großensee verläuft durch das Tal.

Erhebliche Schmelzwassermengen kamen nördlich der Hahnheide zusammen. Dort liegt heute noch beim Ort Linau die Billequelle. Aus diesen Zuflüssen entstand nun das teils breite, teils tief ausgeschürfte Billetal mit einigen markanten Steilufern, die sich an den Außenseiten der Flusswindungen bildeten. In unserm Bereich waren es das Wentorfer Hochufer am Mühlenteich und der Höhenzug entlang der Hamburger Straße mit den beiden eindrucksvollen Buchten, die heute als Parkplätze dienen. Sie wurden einst von mächtigen Strudeln ausgespült, bevor die Bille von der Höhe entlang der Loddenallee fast im rechten Winkel umgeleitet wurde, und nun in das Urstromtal der Elbe mündete. Die einstmals steilen Uferböschungen sind im Laufe vieler tausend Jahre erodiert und abgeflacht.

Das Urstromtal der Bille und der Reinbeker Höhenzug teilen den Ort in ein Ober- und ein Unterland. Das hat wohl mit dazu beigetragen, dass Reinbek abseits der großen Verkehrswege blieb, obwohl es eine wirtschaftliche und politische Bedeutung für das Umland hatte. Der Schmiedesberg war für beladene Fuhrwerke ein schwer zu überwindendes Hindernis. Um die Kuppe zu umfahren, schufen die Fuhrleute eine am Hang verlaufende Wagenspur, aus der sich dann die Bergstraße entwickelte.

Die Kuppe der Hamburger Straße zwischen dem Sachsenwald-Hochhaus und dem ehemaligen Gutshaus des Gutes Hinschendorf wurde mehrfach abgetragen. Die ursprüngliche Höhe ist noch deutlich rechts und links des Straßeneinschnittes zu erkennen.

Heute mäandert die Bille als friedliches, idyllisches Flüsschen weitab von ihrem ursprünglichen Ufer in einem weiten Tal durch die Wiesen. In Bergedorf teilt sich der Fluss, ein Teil fließt durch den künstlich angelegten Schleusengraben in die Dove-Elbe, während die eigentliche Bille von der Eisenbahnbrücke beim Hundebaum unterirdisch als Überlauf geführt wird, dabei die Straßenentwässerung aufnimmt und erst hinter der Kurt-Körber-Allee wieder offen fließt. Ihr weiterer Weg verläuft dann vor dem Boberger und Billstedter Geesthang entlang durch die Marschlande bis sie schließlich im Hamburger Stadtgebiet in die Norderelbe mündet.

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