Universitätsstadt“ Reinbek

Das Schloss Reinbek blickt auf eine lange, wechselvolle Geschichte zurück. Es war Adels- und Amtssitz, Hotel und Erholungsheim und schließlich Sitz der Bundesforschungsanstalt für Holz- und Forstwirtschaft. Erstaunlich selten wird in den vielen Büchern und Broschüren, die sich mit dem Schloss beschäftigen, erwähnt, dass in diesem dort auch jahrelang Pharmazeuten, also Apotheker und Wissenschaftler auf dem Gebiet der Pharmazie, ausgebildet wurden. Gudrun Schmidt ergänzt:

Bei der Gründung der Hamburger Universität 1919 war die Pharmazie nicht berücksichtigt worden, obwohl sie in der Vorgängereinrichtung, dem Kolonialinstitut, bereits seit 1908 vertreten war. Pharmazeutische Chemie wurde jetzt im Rahmen des Chemischen Instituts gelehrt. Als dann jedoch im Dritten Reich das Pharmaziestudium auf ganz bestimmte deutsche Universitäten konzentriert wurde, musste 1938 auch die Hamburger Pharmazeutische Abteilung im Chemischen Staatsinstitut schließen. Erst nach dem Krieg wurde dann an der Universität Hamburg ein Pharmazeutisches Institut gegründet.

Da das Chemische Staatsinstitut zerstört war, konnte es diesem nicht mehr angegliedert werden, womit die Selbständigkeit der neuen Hamburger Universitätspharmazie quasi vorgegeben war.

Eine Unterkunft fand das „Institut für Pharmazeutische Chemie” im linken Flügel des Reinbeker Schlosses, seit 1939 im Besitz der Stadt Hamburg. Der Vorlesungsbetrieb begann im Sommersemester 1946. Geleitet wurde das Institut von Professor Karl Kindler, der bereits vor 1938 in Hamburg tätig gewesen war. Als er im Jahre 1959 in den Ruhestand trat, wurde F. Zymalkowski sein Nachfolger.

Der Andrang zu dem Studiengang war enorm, die räumlichen Möglichkeiten dagegen sehr begrenzt. Vor allem der Bedarf an Laborräumen war groß. Im Jahre 1942 waren für das „Holz-Institut” Laborräume in der früheren Küche des Schlosses im Kellergeschoss des Nordflügels eingerichtet worden — diese stellte man nun dem Pharmazeutischen Institut zur Verfügung.

Im Jahre 1954 wurde dann an der Nordseite der Lindenallee, nordöstlich des Schlosses, für das Institut ein Lagerhaus für chemische Stoffe — speziell brennbare Flüssigkeiten — gebaut, das sogenannte „Gifthaus”.

Im Herbst 1966 begann man in Hamburg mit dem Neubau eines Instituts für Pharmazie, in unmittelbarer Nähe des Chemie-Zentrums. Bei dessen Fertigstellung war dann das „Exil“ in Reinbek beendet.

Ein Gedanke zu “Universitätsstadt“ Reinbek

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