Die Siedlung Stemwarde von 1940 bis 1974

Die Siedlung Stemwarde — nicht zu verwechseln mit der Gemeinde Stemwarde — war bis in die 1940er Jahre noch stark landwirtschaftlich geprägt. Bernhard Prautzsch erzählt von zahlreichen Modernisierungen bis zur Eingemeindung in den Ortsteil Neuschönningstedt der Stadt Reinbek:

Die Siedlung Stemwarde (damals Eggerssiedlung) gehörte anfangs zur eigenständigen Gemeinde Stemwarde, Kreis Stormarn. Die Amtsverwaltung befand sich in der Gemeinde Barsbüttel.

Anfang der 1940er Jahre war die Siedlung eine „Sommerfrische“, ein Erholungsgebiet für Hamburger. Es gab Kleingärten, einige Siedlungshäuser und ansonsten Landwirtschaft. Die Straßen, sofern schon vorhanden, waren ungepflastert, es gab keine Kanalisation sondern Straßengräben und Plumpsklos. Frischwasser kam aus privaten Brunnen bzw. Pumpen. Elektrizität war in Anfängen vorhanden, natürlich an Strommasten und meist in Eigenarbeit. Infrastruktur war ansonsten nicht vorhanden, man nutzte Gaststätte, Krämerladen, Postamt und Schule im Dorf Stemwarde — denn Neuschönningstedt gab es in heutiger Größe noch nicht.

Zum Kriegsende erlebte die Siedlung ihre erste Vergrößerung. Ausgebombte Hamburger und Ostflüchtlinge suchten eine neue Bleibe. Wer noch etwas Geld hatte, der kaufte sich ein Grundstück, Vielen blieb anfangs nur die Pacht. Es wurden auf den Gartengrundstücken Behelfsheime und Baracken errichtet. Die Grundstücksgrößen waren meist noch ausreichend, um einen Nutzgarten zur Selbstversorgung anzulegen.

In den 1950er Jahren wichen die Baracken zunehmend festen Häusern, anfangs noch mit Kohleöfen beheizt, aber immerhin mit Elektrizität. Die Wasserversorgung fand nach wie vor über private Brunnen statt, die jetzt allerdings häufig elektrische Pumpen hatten.

Das BRAAS-Werk (eine Dachziegelfabrik) entstand, endlich hatte die Gemeinde das Geld, zumindest einige Straßen asphaltieren zu lassen. Statt Kanalisation nutzte man Klärgruben.

Irgendwann gab es endlich auch eine eigene Gaststätte, so dass der lange Fußweg nach Stemwarde überflüssig wurde. Nördlich der Feldstraße gab es ein Kieswerk, dessen Silos die höchsten Bauwerke der Siedlung stellten. Im angrenzenden Neuschönningstedt entstand die Volksschule, sie wurde dann auch von Kindern aus der Siedlung Stemwarde besucht. In der Gartenstraße wurde der lange Zeit einzige Spielplatz errichtet, natürlich in Eigenarbeit.

Ein kleiner „Gruss vom Imbiss- u. Fernsehstübchen Stemmwarde (sic!)”.

In den 60er Jahren baute die Gemeinde den ersten Wohnblock an der heutigen Eggerskoppel. Langsam verdichtete sich die Bebauung, viele Nutzgärten wurden zu Ziergärten. Man freute sich über private Telefonanschlüsse. Irgendwann kam das Stadtwasser, dann die Kanalisation und Stadtgas. Abgesehen von einigen kleinen Handwerksbetrieben und Händlern blieb die Firma BRAAS der einzige große Arbeitgeber.

Anfang der 70er Jahre begann sich die Siedlung rasant zu verändern. Das Kieswerk an der Feldstraße verschwand, stattdessen wurde dort Hausmüll der Stadt Hamburg entsorgt. Westlich des Sandweges entstanden die Wohnblöcke der Bewo-Bau, unter anderem die beiden bisher einzigen Hochhäuser des heutigen Neuschönningstedt. Telefon- und Stromleitungen wurde unter die Straßen verlegt, gleichzeitig verschwanden die letzten Straßengräben. 1973 wurde das Einkaufszentrum Grenzweg eröffnet.

Die Geschichte der Siedlung Stemwarde endet im Jahr 1974 mit der Eingemeindung in den Ortsteil Neuschönningstedt der Stadt Reinbek.

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