Soltaus Koppeln

Wo einst die Bauern Soltau und Jahncke Landwirtschaft betrieben, liegen heute Wohn- und Industriegebiete. Von diesem Wandel erzählt Eckart Bünning: 

Die Flächen nördlich vom Mühlenredder gehörten überwiegend zum Bauernhof Soltau. Peter Soltau hatte 1791 die Ländereien von seinem Schwiegervater, dem Gastwirt Joachim Christian Jahncke, der den Gasthof „Landhaus“ in der Hamburger Straße Ecke Bergstraße betrieb, gekauft. Soltau errichtete seinen Bauernhof in der Schulstraße gegenüber der Sachsenwald-Oberschule, ein niederdeutsches Fachwerkhaus mit einem weit herabreichenden Strohdach. Der südliche Teil des Gebäudes diente der Bauernfamilie als Wohnung, im andern Teil lagen die Viehställe. Auf dem Hof standen eine mit Stroh gedeckte Scheune, in der die Ernteerzeugnisse lagerten, und ein weiteres kleines Wirtschaftsgebäude, beide aus Fachwerk. An den Hof schloss sich die kleine Hauskoppel an, auf der das Jungvieh gehalten wurde und auch die Kühe über Nacht blieben, wenn sie im Stall gemolken wurden. Ein kleiner Teich diente als Viehtränke. „Bornberg“ war der Flurname für die Hauskoppel — ein Berg mit einer Quelle. Ihr Wasser floss früher in die Fischteiche des Klosters, die in der Wildkoppel angelegt waren.

Soltaus Hof in der heutigen Schulstraße.

Soltaus Felder reichten bis an den Herrengraben, der Grenze zur Schönningstedter Feldmark. Sie waren vom Mühlenredder aus zugänglich, die hinteren Felder über einen Feldweg, auf dem heute teilweise die Herrmann-Körner-Straße verläuft. 

Johannis Soltau

Johannis Soltau, der den Hof in der 5. Generation bewirtschaftete, war seit 1955 Stadtvertreter und von 1959 bis 1970 ehrenamtlicher Stadtrat. Es war ihm ein Anliegen, die Not der Nachkriegzeit zu mildern. Die Beschaffung von Wohnraum war eine der vielen Aufgaben der Gemeinde, die Wohnungsbau befördern und dafür eine Bauleitplanung erstellen musste. Dann mussten Grundeigentümer zur Überlassung von Bauland bereit sein. Soltau stellte nach und nach seine Felder dafür zur Verfügung. Bereits 1943 hatte Soltau für Hamburger Ausgebombte eine kleine Fläche zwischen Theodor-Storm-Straße und Mühlenredder abgetreten.

Schon 1949 konnten die ersten Häuser auf privater Basis in der Rosenstraße erstellt werden. Die Baugenossenschaft Sachsenwald baute weiter im nördlichen Teil der Rosenstraße ein paar Einzel- und Doppelhäuser. Es war Soltaus „Unteres langes Stück“, wobei das Land an der Nelkenstraße „Feldscheunenkoppel“ genannt wurde, weil dort eine offene Feldscheune für die Lagerung der Strohvorräte stand. 

Die Koppel „Oberes langes Stück“ wurde erst ab 1954 mit dem Bau der Häuser und Wohnungen für die Mitarbeiter der Jurid-Werke, die mit dem Werk aus Düsseldorf nach Reinbek kamen, in Anspruch genommen. Die Straße erhielt den Namen „Cronsberg“. Nördlich davon, auf Soltaus „Scheidegrabenkoppel“, liegt das kleine Gewerbegebiet am Herrengraben und an der Scholtzstraße, es wurde ab 1963 gebaut. 

Nachdem einige Wohnblocks und Reihenhäuser durch die Baugenossenschaft in der Hermann-Körner-Straße erstellt waren, folgten auf der Koppel „Langes Stück“ Wohnblocks und Doppelhäuser. Als das obere Straßenteil mit Einzelhäusern bebaut war, erhielt die Straße den Namen „Soltaus Koppel“. 

Nach Westen schließen sich die Ländereien „Cronsberg“ an. Dorthin wurde 1966 der Bauernhof Soltau mit neuen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden verlegt. Er wurde aber bereits 1977 an die Stadt verkauft. Alfred Soltau, der damalige Hofbesitzer, sah keine Möglichkeit, auf seinen Feldern in Reinbek weiterhin Landwirtschaft zu betreiben. Der Bedarf an Bauland war einfach zu groß. 

Nachdem auf einem Teil der Felder bereits 1974 ein neues Schulzentrum errichtet worden war, baute man 1979 ein großzügiges modernes Freizeitbad. Unmittelbar in der Nachbarschaft des Schulzentrums entstanden 1987 Sportanlagen zu denen die „Hans-Bauer-Sporthalle“ gehört. Damit wird der Reinbeker Sportler Hans-Jacob Bauer geehrt, der wegen seiner politischen linken Einstellung verfolgt und eingesperrt worden war und 1941 im Konzentrationslager Dachau verstarb. 

Die ehemaligen Gebäude von Soltau nutzten die Stadtgärtnerei und der Bauhof zu unterschiedlichen Zwecken. 1982 erwarb die Wohnungsbaukreditanstalt Schleswig-Holstein das Gelände und erschloss den Arthur-Goldschmidt–Weg. Eine aus mehreren Blocks bestehende Senioren-Wohnanlage für betreutes Wohnen wurde hier gebaut, auf dem weiteren Straßenabschnitt entstanden Einzelhäuser.

Als weiteres Baugelände wurde Soltaus „Gehrenbüschen“ oder Gergenbusch erschlossen, und ab 1983 der Straßenzug „Am Kolk“ mit Einzel- und einigen Reihenhäusern bebaut. Als Kolk bezeichnet man ein Wasserloch, einen kleinen Teich, der hier auf der Kuhweide als Tränke diente. 

Mit der Erschließung der westlich angrenzenden Fläche, die teils zum Acker „Gergenbusch“, teils zum ehemaligen Hinschendorfer „Schäfercamp“ gehörte, war mit der Bebauung der Straße Am Gergenbusch die Siedlungsfläche auf Soltaus Koppeln nördlich des Mühlenredders abgeschlossen.

Wer nicht ganz mitgekommen ist, dem sei hier noch eine Karte mit einer Skizze von Soltaus Koppeln und deren Bebauung gegeben:

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