Vorratswirtschaft und Selbstversorgung

Viele Lebensmittel kaufte man nicht im Laden. Man lebte von dem, was der Garten, ein kleines Stück Land oder der bäuerliche Betrieb ermöglichten. Nicht nur, aber besonders in den Notzeiten während und nach den Kriegen, musste man versuchen, sich selbst zu versorgen und Vorräte für den Winter anzulegen. Die Damen der Frauenhilfe erzählen davon. Mitgeschrieben hat Gisela Hackbarth: 

Wir haben alles gesammelt: Pilze, Bucheckern, Beeren und Fallobst. Die Pilze wurden fein geschnitten, getrocknet und luftig aufbewahrt. Aus den Bucheckern wurde Öl gepresst. Die Früchte wurden zu Saft oder Marmelade verarbeitet.

Das Herstellen von Pflaumenmus war besonders zeitaufwendig und mühsam. Dazu wurden die Pflaumen entsteint und in einem großen Kupferkessel erhitzt. Die Pflaumen mussten ständig gerührt werden, damit sie nicht am Topfboden ansetzten oder gar anbrannten. Die ganze Nacht hindurch wurde der Fruchtbrei gekocht und immerzu gerührt. Man hatte Mühe, über dem Rühren nicht einzuschlafen. War das Mus endlich fest und süß, wurde es in Steintöpfe gefüllt.

Auch Backobst wurde hergestellt. Dünn geschnittenes Obst wurde auf Holzgitter gelegt, an der Luft getrocknet und in kleine Leinenbeutel gefüllt aufgehängt. Es wurde auch ‘Aufgesetzter’ zubereitet. Dazu eignen sich besonders Schlehen. Sie werden mit Zucker und hochprozentigem Alkohol in Flaschen angesetzt.

Für die Haltbarmachung kalt gepresster Säfte gab es eine besondere Methode. Man füllte den Saft in große Glasbehälter, fügte Weinhefe hinzu und verschloss die Flasche mit einer Gummimanschette. Diese hatte oben eine kleine Öffnung, in die eine besonders geformte Glasröhre gesteckt wurde. Das Röhrchen enthielt ein wenig Wasser. Während der Gärung entwich Kohlendioxyd aus der Flasche, was sich durch ein Blubbern im Röhrchen anzeigte. Gleichzeitig bildete sich Alkohol in dem Saft, der nun als Obstwein länger haltbar war.

Natürlich wurde auch Schnaps aus Pflaumen oder Äpfeln gebrannt. Besonders die Klaräpfel sind für Apfelschnaps geeignet. Ebenso wurde Schnaps aus Kartoffeln, Zuckerrüben oder Korn gebrannt. Die Schnapsbrennerei war verboten. Sie musste heimlich geschehen und die Damen erinnerten sich an so manche aufregende und lustige Begebenheit.

In den Sommermonaten reiften reichlich grüne Bohnen heran. Ein großer Teil wurde zu Schnippelbohnen verarbeitet. Die klein geschnittenen Bohnen wurden mit Salz in große Steintöpfe eingelegt. Der dann einsetzende Gärungsprozess machte die Bohnen haltbar. Bohnen weckte man auch in Gläsern ein. Aber es kam häufig vor, dass die Bohnen gärten und die Gläser platzten. Das stank auch noch ganz fürchterlich.

Gurken wurden zu Salz- oder Gewürzgurken verarbeitet. Auch sie wurden in Steintöpfe gelegt. Darauf kam ein Holzdeckel, der mit einem Stein beschwert war, und dann deckte man ein Tuch darüber. Aus Kartoffeln wurde Kartoffelmehl hergestellt.

Hühner hatte fast jeder. Und es gab eine Zeit, da kontrollierten Hühnerzähler den Bestand. Wer zu viele Tiere besaß, musste Eier abgeben. Selbst Eier ließen sich über einen längeren Zeitraum haltbar machen. Sie wurden in große Gläser mit Wasserglas eingelegt.

Die Hühner, Gänse, Enten und Kaninchen wurden natürlich auch gegessen. Als Kind hat man beim Töten schon mal hingeguckt, als Erwachsener musste man natürlich selbst das Tier schlachten. Das fiel nicht immer leicht.

Schlachtete man Gänse, wurden auch die Federn gesammelt. Die Daunen dienten als Füllung für die Deckbetten. In die Unterbetten kamen die Federn. Vorher mussten aber die Kiele herausgeschnitten werden. Diese Arbeit wurde von den Frauen an Winterabenden gemeinsam gemacht, man nannte es ‘Federn schleißen’.

In vielen Haushalten wurden auch ein oder zwei Schweine gehalten. Geschlachtet wurde im Winter. Das war dann ein besonderes Fest. Viele erinnerten sich an das Bild des geschlachteten Tieres, das an einer Leiter aufgehängt war. Ebenso auch an das erbärmliche Quieken vor dem Töten. Zum Schlachtfest kamen Verwandte und Freunde, um mit zu helfen. Das Fleisch wurde teils eingeweckt oder zu Wurst verarbeitet, teils in den Rauch gehängt. Einige Hausfrauen nutzten statt Gläser Dosen. Die Deckel wurden mittels einer Maschine befestigt; sie wurden gerändelt. Im folgenden Jahr konnten die Dosen wiederverwendet werden. Dazu musste der alte Rand abgeschnitten werden, dann konnte ein neuer Deckel angebracht werden.

Die Hausschlachtungen waren fröhliche Feste, zumal für den Schlachter — und nicht nur für ihn — Schnaps bereitgestellt wurde. Nach dem Krieg war so manches Tier auch heimlich gemästet worden. Dann war besondere Vorsicht geboten und oft auch ein Ablenkungsmanöver nötig. Solche Vorkommnisse schweißten Familien, Freunde und Nachbarn besonders eng zusammen.

Die Damen der Ev. Frauenhilfe wussten noch viele kleine Begebenheiten zu erzählen. Ihr Fazit: So schwer und traurig manche Zeiten waren, in der Not hielt man zu einander, half sich gegenseitig und erlebte auch Lustiges.“

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